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Zwei Pflegekräfte erklären den Unterschied zwischen Verpackungen für den OP und solchen für die Notaufnahme


Veröffentlicht am 5. Mai 2021

Wir wissen, wie wertvoll Einblicke von Pflegekräften sind; sie sind die Hauptnutzer von sterilen medizinischen Verpackungen. Haben Sie jemals über die unzähligen Umgebungen, Verfahren und Medizinprodukte nachgedacht, mit denen sie umgehen müssen oder wie sich diese enorme Vielfalt auf die Erfahrung einer Pflegekraft mit Medizinverpackungen auswirkt? Ich habe kürzlich zwei Pflegekräfte interviewt, um genau das zu untersuchen – Brooke Wieferich (examinierte Krankenpflegekraft (Registered Nurse [RN]), Bachelor of Science in Nursery [BSN], Certified Emergency Nurse [CEN]) und Amber Wagner (RN, BSN in KV-OP und Notaufnahme). Lesen Sie weiter, um mehr über die Unterschiede zwischen den Anforderungen im Operationssaal (OP) und in der Notaufnahme zu erfahren, wie sich diese Unterschiede auf die Interaktion zwischen Sterilfeld und Verpackung auswirken und was für diese kritischen Endbenutzer in ihren jeweiligen Umgebungen am wichtigsten ist.

Haley Schrauben (HS): Erzählen Sie mir vom Umfeld in der Notaufnahme und im OP – wie ist es organisiert, wie sieht der Raum aus, wie gestaltet er sich usw.?

Brooke Wieferich (BW): Die Notaufnahme ist ein „organisiertes Chaos“, man weiß nicht immer, was einen erwartet. Die Räume sind klein; bei kleineren Eingriffen befinden sich möglicherweise nur eine Pflegefachkraft und ein Patient im Raum, aber bei einem Trauma sind viele Menschen in einem kleinen Raum zusammengepfercht, wie Patient, Begleiter, diverse Pflegefachkräfte, Stationspflegeleitung, Assistenzarzt, Apotheker. Wir öffnen sterile Produkte möglicherweise auf Wagen oder Betten oder anderen seltsamen Oberflächen. Der sterile Bereich ist nicht so gut definiert, und nicht jeder weiß, wo sich dieser Bereich befindet, abhängig davon, wann einzelne Personen jeweils den Raum betreten. Das verbessert sich in der Regel mit mehr Erfahrung.

Amber Wagner (AW): Der sterile Bereich ist im OP viel besser definiert und größer, mit mehr Bewusstsein; Verpackungen werden im sterilen Bereich geöffnet, und eine OP-Pflegefachkraft ist vollständig eingewaschen und steht bereit, ein steriles Produkt anzureichen. Ich arbeite im kardiovaskulären Bereich, das sind fast ausschließlich Eingriffe am offenen Herzen, aber auch einige vaskuläre Eingriffe und Lungentransplantationen. Viele dieser Eingriffe dauern oft 8 bis 10 Stunden. Die Pflegefachkräfte wechseln je nach Schichtplan, aber während des gesamten Eingriffs ist derselbe Chirurg anwesend.

HS: Wie sieht der Transfer von der Notaufnahme in den OP aus? Gibt es eine Übergabe und wann/wie geschieht diese? Hat die Pflegefachkraft aus der Notaufnahme dort noch eine Rolle?

SW: Bei einem Traumatransfer geht das gesamte Traumateam (einschließlich Pflegefachkraft der Notaufnahme) mit dem Patienten bis vor die Türen des OPs und bleibt je nach Schwere des Falles sogar beim Patienten bis zur Übergabe. Es gibt einen neuen sterilen Bereich, komplett neue Instrumente, ein neues Bett und so weiter.

AW: Im Allgemeinen findet eine Übergabe immer dann statt, wenn ein Chirurg verfügbar ist. Je nach Dringlichkeit des Falles hat das Team vielleicht nur 10 Minuten Zeit, um den sterilen Bereich vorzubereiten – wobei vielleicht 15 Personen im Raum sind. Wir sollen alle Instrumente gezählt haben, aber in einer Situation, in der es um Leben und Tod geht, versuchen wir einfach unser Bestes zu geben. Aber in anderen Szenarien, bei einem stabilen Patienten, hat das Team möglicherweise eine volle Stunde Zeit, um den OP vorzubereiten, während es auf einen Chirurgen wartet.

SW: In weniger dringenden Fällen, wie z. B. einer Blinddarmentfernung bei einem stabilen Patienten, kommt das OP-Team und holt den Patienten in der Notaufnahme ab, wenn der OP bereit ist.

HS: Welche Eingriffe sind in Ihrem jeweiligen Umfeld am häufigsten?

SW: In der Notaufnahme sehen wir typischerweise Patienten mit Bauch- oder Brustschmerzen, Kopfschmerzen oder Anfällen, Sepsis oder Schlaganfall.

AW: Der häufigste Eingriff im kardiovaskulären OP ist eine Koronararterien-Bypass-Transplantation, die wir fast täglich durchführen. Wir führen auch einige diagnostische Angiogramme und offene BAA-Reparaturen (Bauchaortenaneurysma) durch.

HS: Mit welchen Arten von Medizinprodukten arbeiten Sie am häufigsten, die steril verpackt sind und einen aseptischen Transfer erfordern? Gibt es ähnliche Produkte zwischen den beiden Umfeldern oder Ähnlichkeiten in der Interaktion mit der Verpackung?

SW: In der Notaufnahme arbeiten wir am häufigsten mit Kathetern, insbesondere Foley-Kathetern, zentralen und arteriellen Zugängen, Thoraxdrainagen und einigen vorgefertigten Blistern.

AW: Im OP arbeiten wir mit vielen Instrumenten in Blistern, zusätzlichem Versorgungsmaterial und Produkten für Herzklappenersatz wie Verschlüssen oder Cor-Knots, Nahtmaterial, Medikamenten und vielen Pinzetten, Zangen sowie anderen „Peel Pack“-Instrumenten. Zentrale und arterielle Zugänge werden ebenso wie Katheter gleichermaßen in der Notaufnahme als auch im OP verwendet. Aber der sterile Bereich ist im OP viel routinierter und größer.

SW: In der Notaufnahme sieht das nicht so aus – der Raum ist anders und nicht einheitlich, und die Dringlichkeit der Fälle variiert, sodass der sterile Bereich nicht immer gleich ist. Der Patient kann wach sein oder nicht, und Sie geben niemals Instrumente an eine OP-Pflegefachkraft weiter.

HS: Welche Methode verwenden Sie in Ihrer jeweiligen Umgebung, um ein Instrument aseptisch zu präsentieren?

SW: Wenn ein Arzt den Eingriff durchführt, würde ich ihm das Medizinprodukt anreichen. Dies kann je nach Produkt und sterilem Bereich ein „Fallenlassen“ oder eine „Übergabe“ sein, aber normalerweise verwende ich die Fallenlassen-Methode. Oftmals führt die Pflegefachkraft, die die Verpackung öffnet, auch den Eingriff durch, sodass dieselbe Person, die die Verpackung öffnet, auch mit dem Produkt interagiert.

AW: Für mich hängt es wirklich davon ab, wie groß und sperrig das Produkt ist oder wie beschäftigt die OP-Pflegefachkraft ist. Es kann auch davon abhängen, wie schwer die Verpackung zu öffnen ist – wenn sie schwer abzulösen ist, ist eine Übergabe einfacher als ein Fallenlassen. Im Allgemeinen ziehe ich es vor, ein Produkt direkt an eine OP-Pflegefachkraft weiterzugeben, um zu vermeiden, dass das Produkt auf den Boden fällt, aber einige Pfleger sind mit der Fallenlassen-Methode wirklich vertraut.

HS: Arbeiten Sie mit irgendwelchen komplexen sterilen Produkten, die vorab eine Einrichtung erfordern? Wenn ja, inwieweit hilft hier die Verpackung oder nicht?

AW: Im OP arbeiten wir zum Beispiel mit einer Ballonangioplastie, bei der die Aufblasvorrichtung nach der Übergabe an die OP-Pflegefachkraft durch diese vorbereitet werden muss. Auch prothetische Klappen müssen vorbereitet werden oder vielleicht müssen Medikamente gemischt werden, wobei mehrere Verpackungen in einer größeren Verpackung zum Einsatz kommen können. Möglicherweise müssen wir auch einzelne Cor-Knots für einen Ventilverschluss öffnen, die zu einer Pistole zusammengebaut werden müssen.

SW: In der Notaufnahme müssen wir für einen Zugangsporteingriff eine separate vorgefüllte sterile 10-cc-Spritze besorgen oder austüfteln, wie die Spritze und die Nadel im sterilen Bereich vorbereitet werden, ohne die Durchstechflasche mit der Lösung zu berühren (zum Spülen der Spritze). Es wäre schön, wenn bei größeren sterilen Verpackungen eine 10-cc-Fertigspritze in der Verpackung enthalten wäre. Fast niemand verwendet die Handschuhe, die in einem OP-Set enthalten sind; es werden immer die eigenen genommen, die passen.

AW: Grundsätzlich scheinen die Verpackungen, mit denen ich arbeite, leicht zu öffnen zu sein. Ich mag Verpackungen, die einem eine zweite Chance geben, wie eine Doppelverpackung oder ein Blister mit zweitem Deckel. Größere Verpackungen sind definitiv leichter zu öffnen – sie sind leichter zu halten.

SW: Ich stimme zu, dass die meisten Verpackungen leicht zu öffnen sind. Ich verwende sterile i.v.-Blister, um darin Luer-Lock und i.v.-Verabreichung vorzubereiten. Ich verwende auch Foley-Katheter-Blister, um das Produkt in Ordnung zu halten.

AW: Je weniger Verpackung, desto besser. Einige Folienbeutel lassen sich schwerer öffnen. Wenn der Beutel recht schmal ist, ist es schwieriger, das Produkt zu transferieren, ohne es zu berühren. Aber im Allgemeinen sind wir in Bezug auf Verpackung schon weit gekommen. Je mehr Sie in einer Verpackung aufnehmen können, desto besser.

HS: Gibt es Verpackungsmerkmale, die Ihrer Meinung nach hilfreich sein könnten, die Ihnen ein größeres Vertrauen in die Sicherheit des Produktes geben oder die die Effizienz während eines Eingriffs erhöhen würden?

SW: Grundsätzlich muss die Verpackung nur leicht zu öffnen sein. Auch hier gilt: Je mehr Sie in einer Verpackung aufnehmen können und je weniger Schritte, desto besser.

AW: Je mehr Erfahrung eine Pflegefachkraft hat, desto besser wird es. Mehr Schulungen zu neueren Verpackungen wären hilfreich, oder Schulungen über die beste Art des Öffnens (ich wusste nicht, dass es einfacher ist, einen Beutel mit einem „Chevron“-Verschluss von der Mitte aus zu öffnen, bis ein Kollege es mir zeigte … ich nahm einfach an, ich sollte es an der Ecke öffnen). Es wäre hilfreich, mehr Möglichkeiten zu haben, mit der Verpackung zu üben, insbesondere zu Beginn der Pflegekarriere, wenn Sie beim Umgang mit teuren Produkten nervös sind oder wenn Sie nicht wissen, was Sie anfassen dürfen und was nicht.

SW: Ja, daran hatte ich nicht gedacht, aber einfach mit der Verpackung zu üben und sich daran gewöhnen zu können, das wäre schon hilfreich.

HS: Recyceln Sie Verpackungen in Ihrem jeweiligen Umfeld?

AW: Der OP verfügt über ausgewiesene Recyclingbehälter (Mischmaterialien). Solange die Verpackung den Patienten nicht berührt, können wir sie recyceln. Wir nehmen die Verpackung manchmal sogar aus dem sterilen Bereich heraus, bevor der Patient in den Raum kommt; wir öffnen bisweilen 75 Nähte, bevor der Patient hereingebracht wird.

SW: In der Notaufnahme ist das schwieriger, weil alles so schnell geht. Wir haben versucht, Recyclingbehälter in den Räumen zu implementieren, aber viele Leute haben sie als Mülleimer verwendet. Die Kultur ist dort schwieriger zu ändern, weil Menschen den Raum häufiger betreten und wieder gehen.

AW und SW: Es wäre auf jeden Fall hilfreich, wenn auf der Verpackung ein Hinweis enthalten wäre, dass das Material recycelbar ist.

HS: Wie hat sich COVID-19 auf Ihre allgemeine Erfahrung im OP und in der Notaufnahme ausgewirkt?

AW: Das Umfeld von OP bzw. Notaufnahme ist sehr unterschiedlich; der OP ist nicht ganz so stark betroffen und etwas geschützter. Patienten werden vor einem Eingriff getestet, sodass das Team je nach Ergebnis entsprechend reagieren kann.

SW: In der Notaufnahme wissen wir nicht, wer positiv ist oder nicht, daher müssen wir davon ausgehen, dass alle positiv sind, auch wenn beim Patienten ein Abstrich gemacht wurde, da wir die Ergebnisse möglicherweise noch nicht zurückbekommen haben. Wir müssen im Wesentlichen immer in COVID-PSA bekleidet sein, aber dies beginnt sich zu ändern, da immer mehr Mitarbeiter geimpft sind.

AW: Im gesamten Krankenhaus tragen wir immer eine Maske und halten Abstand, und die Kantine ist nur für Mitarbeiter geöffnet. Von jedem einzelnen wird erwartet, verfügbar zu sein, um bei Erfordernissen in Bezug auf COVID zu helfen.

So das war‘s! Für diejenigen von uns, die an der Entwicklungsseite dieser Unterhaltung beteiligt sind, zeigen die hier geteilten Ansichten praktische Realitäten auf, die unsere Denkweise zur Verpackungsentwicklung beeinflussen und sogar verbessern können. Ein großes Dankeschön an Brooke und Amber, die ihr klinisches Know-how mit uns geteilt haben, und auch an Sie und Ihre Kollegen überall für die Arbeit, die Sie jeden Tag leisten. Eine frohe Woche der Wertschätzung der Pflegefachkräfte!

Haley Schrauben
Produktmanager | Oliver Healthcare Packaging

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